Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) / Verein der Zuckerindustrie e.V. (VdZ)

img-navi-home-blue-newimg-navi-contact-blue-new
Positionen zur Agrarpolitik Drucken E-Mail

Agrar- und Handelspolitik: Fair Play für unsere Zuckerrübenanbauer

Die deutsche Zuckerwirtschaft ist exzellent aufgestellt – eigentlich. Doch sie agiert auf einem Markt voller Wettbewerbsverzerrungen, und alle sind das Ergebnis politischer Entscheidungen. Wir brauchen Fair Play für unsere Zuckerrübenanbauer:

 

1. Die Zuckerrübe muss aus dem Katalog der gekoppelten Zahlungen gestrichen werden.

Auch innerhalb des EU-Binnenmarktes gibt es Wettbewerbsverzerrungen. Der Grund dafür sind die gekoppelten Zahlungen.

Diese Zahlungen dürfen überall dort gewährt werden, wo sich Agrarsektoren, denen aus wirtschaftlichen, sozialen oder Umweltgründen eine ganz besondere Bedeutung zukommt, in Schwierigkeiten befinden. Seit 2015 können Mitgliedsstaaten aus EU-Mitteln gekoppelte Zahlungen auch für den Zuckerrübenanbau bewilligen.

 

2019-01 wvz infografik website zuckerverband v02 kapitel 1 wettbewerbsverzerrung

Preisvorteil: Mehr als 30 %

Stand heute bezahlen elf EU-Mitgliedsstaaten ihren Landwirten gekoppelte Prämien für den Anbau von Zuckerrüben. Rund 30 % der Anbaufläche in der EU werden so unterstützt – und das mit beträchtlichen Preisvorteilen. Denn die Höhe dieser Zahlungen liegt bei bis zu 630,- € je Hektar, das bedeutet bis zu 90,- € pro Tonne Zucker. Gemessen am jüngsten Preisreporting der KOM von 307,- €/Tonne hat der Zucker aus diesen Ländern einen Preisvorteil von bis zu 30 Prozent. Wie soll deutscher Zucker dagegen konkurrieren?

Voraussetzungen für Prämien sind nicht gegeben

Die Universität Wageningen hat in einer Studie  gezeigt, dass gekoppelte Zahlungen gewährt werden, obwohl die Voraussetzungen dafür gar nicht gegeben sind. Hinzu kommt, dass die Zahlungen ohne regionale Differenzierung bewilligt werden. All das widerspricht den Zielen der Reform der Zuckermarktordnung.

Gekoppelte Zahlungen stoppen

Europa muss aus diesen Befunden die notwendigen Schlüsse ziehen und die Zuckerrübe aus dem Katalog der gekoppelten Zahlungen streichen.

 

2. Die EU-Kommission muss deutlich schärfer gegen verzerrende Subventionen vorgehen.

Der EU-Binnenmarkt ist bereits heute einer der liberalsten Zuckermärkte der Welt. Fast 100 Länder der Welt können ihren Zucker zollfrei oder zum günstigeren Tarif in die EU exportieren. Seit 2013 sind die EU-Importkontingente für Drittländer um 73 % angestiegen. Allein dieser Anstieg entspricht 17 % der deutschen Zuckererzeugung oder der Kapazität von drei durchschnittlichen deutschen Zuckerfabriken.

Preisdumping durch subventionierten Zucker
Allerdings subventionieren die meisten und vor allem die größten Zuckererzeugerländer der Welt direkt oder indirekt die Erzeugung bzw. die Ausfuhr von Zucker auf den Weltmarkt. Die Folge: Der Weltmarktpreis für Zucker ist dramatisch gesunken.

Dies betrifft in besonderem Maße die fünf größten Zuckererzeuger bzw. Zuckerexporteure auf dem Weltmarkt – das sind Brasilien, Indien, Thailand, Australien und Mexiko. Zu den indirekten Subventionen gehören unter anderem hohe Mindestgarantiepreise für den heimischen Zucker, die Bereitstellung vergünstigter Kredite sowie die Quersubventionierung der Zuckerexporte.

2019-01 wvz infografik website zuckerverband v02 kapitel 2 weltanteil

Hiesige Zuckererzeuger müssen ohne Subventionen auskommen. Sie geraten auf dem EU Binnenmarkt unter erheblichen Preisdruck und können kaum gegen die subventionierten Importe aus Drittländern konkurrieren. Zudem sind rentable Zuckerexporte aus der EU unter diesen Bedingungen für sie nicht möglich. (Finden Sie hier eine Übersicht  zur aktuellen Preisentwicklung des Zuckersektors.)

Den Binnenmarkt vor subventioniertem Importzucker schützen.

Deutscher Zucker, der ohne Subventionen auskommen muss, kann gegen den subventionierten Zucker aus Drittländern preislich nicht konkurrieren. Die EU-Kommission muss daher sicherstellen, dass auf dem europäischen Binnenmarkt, aber auch auf dem Weltmarkt, ein fairer Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle Akteure möglich ist. Sie muss den heimischen Zucker vor dem hochsubventionierten Zucker schützen und zur Bedingung machen, dass die wettbewerbsverzerrende Subventionspolitik abgestellt wird.

3. Die Zuckerrübenbauern brauchen eine Notfallgenehmigung für Neonics.

WVZ 2021 Neonics Zulassung EU klein

Für die Anbausaison 2019 wurde in der Europäischen Union der Einsatz von drei Neonicotinoiden (Neonics) im Freiland verboten, auch für den Zuckerrübenanbau. Damit fehlen im Zuckerrübenanbau wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten für Blattläuse, die gefährliche Vergilbungsviren übertragen. Diese Viren haben sich vor allem im Jahr 2020 in Deutschland stark ausgebreitet und führen regional zu Ertragsausfällen von 30 bis 50 Prozent.

Alternative Insektizide, die zum Teil bis zu drei Mal gespritzt werden, können Blattläuse nicht ausreichend bekämpfen. Ohne die Notfallzulassung werden viele Landwirte in Deutschland durch entgangene Erträge und zusätzlich bestehende Wettbewerbsnachteile zur Aufgabe des Rübenanbaus gezwungen und die Zuckerrübe als deutsche Kulturpflanze ist bedroht.

Deshalb begrüßen wir es sehr, dass für das Anbaujahr 2021 temporäre Notfallzulassungen für besonders stark betroffene Regionen erteilt wurden. Die Notfallzulassungen gelten insgesamt für ein Drittel der Rübenanbaufläche. Für die Anwendung der Neonicotinoide wurden auf Landesebene jeweils strenge Umsetzungsanforderungen festgelegt, die vor allem Bestäuber wie Bienen zusätzlich schützen sollen. 

Keine Neonics bedeuten geringere Deckungsbeiträge und mehr Umweltbelastung

Die alternativen Pflanzenschutzmittel sind nicht nur weniger wirksam, sondern auch teurer. Dies kann zu Ertragseinbußen führen. Beide Effekte zusammen reduzieren den Deckungsbeitrag je Hektar mit ca. 48 Prozent fast um die Hälfte. Was das konkret bedeutet wird am Beispiel der Erträge im Jahr 2018 deutlich: Von den tatsächlich erzielten 670 Euro Deckungsbeitrag je Hektar wären gerade noch 350 Euro übriggeblieben.

Die Ertragsminderungen sind für Landwirte nicht nur mit quantitativen und damit monetären Verlusten verbunden, sondern führen im Gegensatz zu den durch die neonicotinoid-gebeizten Zuckerrüben mit voller Ertragsleistung auch zu einer geringeren Flächenproduktivität und damit letztlich zu einer Verschwendung eingesetzter Ressourcen.

Keine Gefahr für Bienen

Der Grund für das Verbot von Neonicotinoiden ist, dass ein Risiko für Bestäuber, z. B. Bienen, nicht komplett ausgeschlossen werden kann. Allerdings gibt es gute Argumente dafür, dass Bienen durch den Einsatz bei Zuckerrüben nicht zu Schaden kommen. Zum Beispiel, weil Bienen die Zuckerrübe und ihre Folgefrüchte (in der Regel Getreide) gar nicht anfliegen, da diese keine Blüten bilden.

Mehrheit der Länder hat Notfallzulassung

Eine Notfallzulassung von Neonicotinoiden als Beizmittel für Zuckerrüben ist derzeit die einzige Lösung, um das Risiko massiver Ernteverluste zu vermeiden. Das haben die Mehrheit der 19 rübenanbauenden Mitgliedstaaten der EU erkannt und seit 2019 Notfallzulassungen erteilt. In Deutschland ist der Einsatz von Neonicotinoiden im Jahr 2021 auf rund einem Drittel der Rübenanbaufläche genehmigt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

4. Pflanzenschutz muss leistbar bleiben; EU-weit müssen die gleichen Regeln gelten.

Die Neonics stehen lediglich am Beginn einer ganzen Reihe von Pflanzenschutzmitteln, über deren weitere Zulassung gegenwärtig verhandelt wird. Ihre Gemeinsamkeit: Gegenwärtig stehen keine Ersatzmittel zur Verfügung, mit denen der Pflanzenschutz in vergleichbarer Effektivität und Wirtschaftlichkeit realisiert werden kann.

2019-01 wvz infografik website zuckerverband v02 kapitel 4 deckungsbeitrag

Für die Landwirte hätte das zur Folge, dass der Deckungsbeitrag (DB) je Hektar für den Anbau von Zuckerrüben weiter zusammenschmilzt. Sie würden sich schließlich aus wirtschaftlichen Gründen für andere Kulturen entscheiden. Die Vielfalt im Ackerbau würde erheblich sinken.

Das würde zur Schließung der regionalen Zuckerfabrik führen, die auf Zulieferung von Zuckerrüben aus der Region angewiesen ist. Ein Schritt, der die wirtschaftliche Stabilität in der Region ins Wanken bringt. Denn jeder Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik sichert neun weitere in nachgelagerten Bereichen. Zudem verlieren die Landwirte in der Region einen wesentlichen Beitrag zum Betriebseinkommen, ihre Möglichkeiten der Risikostreuung im Ackerbau sinken.

Lachende Dritte wären die Landwirte aus Ländern, die über Notfallzulassungen weiter mit den bewährten Mitteln arbeiten können. Heimische Rübenanbauer müssten auf andere, ertragsärmere Feldfrüchte ausweichen. Die für die Böden so wertvolle Zuckerrübe würde von deutschen Äckern verschwinden. Den Zuckerfabriken ginge der notwendige Rohstoff verloren, sie würden dann ihre Tore für immer schließen.

5. Arbeit und Wertschöpfung im ländlichen Raum

Zucker ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in ländlichen Räumen. Weil die Zuckererzeugung Arbeit, Wertschöpfung und damit Perspektiven schafft.

Arbeitsplätze und Einkommen:

In der Landwirtschaft: Eine durchschnittliche Zuckerfabrik wird von rund 1.400 Zuckerrübenbauern beliefert. Für sie und ihre Familien bedeutet der Zuckerrübenanbau ein sicheres Einkommen sowie erhebliche Vorteile bei der Beschaffenheit ihrer Böden. Viele Zuckerfabriken gehören sogar zu großem Anteil den Landwirten. Über Aktien oder Genossenschaftsanteile sind sie am wirtschaftlichen Ergebnis ihrer Fabrik beteiligt.

In der Verarbeitung: In der Zuckerindustrie selbst arbeiten über 5.000 Menschen. In einer Zuckerfabrik sind durchschnittlich rund 250 Personen beschäftigt. Hinzu kommt: Jeder Job in der Zuckerfabrik schafft 9 weitere in vor- und nachgelagerten Bereichen in ganz Deutschland – zum Beispiel Spediteure, Handwerker und Zulieferer.


Wertschöpfung bleibt in der Region:

Eine durchschnittliche Zuckerfabrik in Deutschland erzeugt rund 220.000 Tonnen Zucker. Damit erzielt sie in normalen Jahren einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro.

Der Ertrag, den sie am Ende erwirtschaftet, kommt zum allergrößten Teil der Anbauregion zugute. Rund 80 Prozent der Wertschöpfung verbleiben in der jeweiligen Region.

Für die ist Zucker ein ganz zentrales Stück Wirtschaftskraft. Die Steuereinnahmen aus der Zuckerproduktion entscheiden darüber mit, ob in der Kommune zum Beispiel eine Schule renoviert oder eine Straße gebaut werden kann.

 2019-01 wvz infografik website zuckerverband v02 kapitel 4 wertschpfung

 

 

Diese Webseite verwendet Cookies, die für das einwandfreie Funktionieren der Website notwendig sind. Weiterhin verwenden wir Tracking Cookies von Google Analytics. Die Einwilligung darin ist freiwillig. Wenn Sie mit der Einsatz von diesen Tracking Cookies einverstanden sind, kreuzen Sie bitte das untenstehende Kästchen an.
Unsere Datenschutzbestimmungen finden Sie hier.

x