Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) / Verein der Zuckerindustrie e.V. (VdZ)

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Zuckerrübenanbau Drucken E-Mail

Verantwortungsbewusster PflanzenschutzAbb_52

Nach dem Aufgang wachsen Zuckerrüben zunächst relativ langsam, so dass sie empfindlich gegenüber Konkurrenz durch Unkräuter sind. Der unkrautbedingte Ertragsausfall kann ohne Pflanzenschutzmaßnahmen bis zu 100 Prozent betragen.

Eine Unkrautregulierung ist daher zur Ertragssicherung zwingend erforderlich. Der weite Abstand der Zuckerrübenreihen von 45 bis 50 cm erlaubt den Einsatz der Maschinenhacke zur mechanischen Unkrautregulierung zwischen den Reihen. Bei ausschließlich mechanischer Bekämpfung wäre jedoch zusätzlich zur Maschinenhacke eine manuelle Beseitigung der Unkräuter innerhalb der Reihen notwendig. Da dies sehr arbeitsaufwändig ist, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten der Einsatz von Herbiziden zur Unkrautregulierung durchgesetzt.

Die verwendeten Mittel können nur dann eingesetzt werden, wenn sie entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen auf nationaler und EU-Ebene zugelassen sind. Das Zulassungsverfahren beinhaltet neben der Prüfung auf Wirksamkeit und Verträglichkeit vor allem eine Bewertung der Umweltverträglichkeit sowie Toxizität. Die im Zuckerrübenanbau eingesetzten Herbizide sind dabei im Vergleich zu anderen Pflanzenschutzmitteln umweltverträglicher.

In den 60er und 70er Jahren wurden Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern fast ausschließlich präventiv, d.h. noch bevor Unkräuter überhaupt sichtbar waren, angewendet. Durch intensive Beratungsarbeit ist es jedoch mittlerweile gelungen, Herbizide zu 90 Prozent nur noch gezielt während bzw. nach der Keimung der Unkräuter einzusetzen (so genanntes Nachauflaufverfahren im Keimblattstadium – NAK). Hierbei wird die Tatsache genutzt, dass kleine, gerade keimende Unkräuter besonders empfindlich gegen Herbizide sind. Der Herbizideinsatz zu diesem Zeitpunkt verringert die Aufwandmengen deutlich und ermöglicht eine gezielte Auswahl von Wirkstoffen, da sowohl die Unkrautarten als auch deren Dichte vor der Anwendung der Pflanzenschutzmittel ermittelt werden können.

Eine intensive Forschungsarbeit war und ist die Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines umweltschonenden Zuckerrübenanbaus. So zeigen Forschungsergebnisse, dass Zuckerrüben nur innerhalb einer kurzen Phase vom Keimblatt bis etwa zum 6-Blattstadium unkrautfrei gehalten werden müssen.

Praxistaugliche Strategien zur Umsetzung dieses neuen Konzeptes werden derzeit ebenso entwickelt wie sektorspezifische Leitlinien zum Integrierten Pflanzenschutz im Rahmen des Ende 2010 fortentwickelten „Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz“ der Bundesregierung.

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Biologische Maßnahmen und punktgenaue Bekämpfung tierischer Schädlinge

Das Auftreten bestimmter tierischer Schädlinge kann ohne Gegenmaßnahmen zu großen Ertragsverlusten in Zuckerrübenkulturen führen. So treten in einigen Anbauregionen Rübenzystennematoden auf, die die Pflanzen bei hohem Befall stark schädigen können. Der Einsatz chemischer Mittel zu deren Bekämpfung gehört jedoch der Vergangenheit an. Nematoden werden heute ausschließlich biologisch durch die Integration resistenter Zwischenfrüchte in die Fruchtfolge oder durch die Verwendung resistenter Zuckerrübensorten reduziert.

Bei starkem Befall durch Insekten ist auch deren Regulierung notwendig, um direkte Fraßschäden, aber auch die Übertragung von Blattkrankheiten, zu vermeiden. Während jedoch in der Vergangenheit bei Befall das ganze Feld mit Insektiziden behandelt wurde, kann heute weitgehend auf deren Ausbringung verzichtet werden.

Ermöglicht wurde dieser Fortschritt durch die so genannte Pillierung, bei der eine das Saatgut umgebende Schutzhülle geringste Wirkstoffmengen enthält. Da die Insektizide nur dort wirken, wo dies gewünscht ist, kommen Boden und Unkräuter nur geringfügig mit den Wirkstoffen in Berührung. Durch die punktgenaue Behandlung ist das Risiko eines unerwünschten Austrags in die Umwelt durch Abdrift, Verflüchtigung, Oberflächenabfluss oder durch Abwaschen der Insektizide von den Pflanzen praktisch ausgeschlossen.

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Blattkrankheiten – Monitoring und Schadschwellen

Blattkrankheiten führen zu einer Schädigung des Assimilationsapparates und reduzieren damit die Einlagerungsmöglichkeit von Zucker. Viröse Blattkrankheiten sind heute durch die Resistenzzüchtung bei Rizomania bzw. durch insektiziden Saatschutz zur Bekämpfung bei so genannter Vektorübertragung beispielsweise durch Blattläuse praktisch beherrschbar geworden. Das Auftreten von Blattkrankheiten, die durch Pilzbefall verursacht werden, ist bei der Zuckerrübe witterungsabhängig und schwankt zwischen einzelnen Jahren und Anbauregionen sehr stark. Die Schäden, die als Blattflecken erkennbar sind, können durchaus bedeutend sein und bedürfen dann des Einsatzes von Fungiziden.

Fungizide kommen aber nur zum Einsatz, wenn ansonsten ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden zu befürchten ist (Schadschwellen-Konzept). Im Rahmen dieses Konzeptes führen amtliche Stellen und die Zuckerwirtschaft aufwändige flächendeckende Beobachtungen der Befallsentwicklung (Monitoring) durch und beraten Landwirte gezielt zum Nicht-Einsatz oder verantwortungsbewussten Einsatz von Fungiziden. Eine Weiterentwicklung des Schadschwellen-Konzeptes soll in Verbindung mit dem Anbau resistenter Sorten in den nächsten Jahren zu einer weiteren Reduzierung des Fungizideinsatzes führen.