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Zucker & Zahngesundheit

Regelmäßige Zahnarztbesuche  haben zusammen mit der Aufklärung über eine gute Mundhygiene und dem Gebrauch von fluoridhaltiger Zahnpasta dazu geführt, dass in den letzten Jahren das Vorkommen von Karies in allen Altersgruppen gesunken ist.

Die Ergebnisse der vom Institut der Deutschen Zahnärzte veröffentlichten Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) belegen genau wie die Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts (RKI) eindeutig: Die Zahngesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist so gut wie nie zuvor (1,2).

Im Durchschnitt ist bei den 12-Jährigen deutlich weniger als ein Zahn kariös. Das Zahn- und Mundhygieneverhalten der Deutschen hat sich im Vergleich zu 1997 weiter verbessert (2).

Aufklärung erreicht alle sozialen Schichten

Regelmäßige Zahnarztbesuche  haben zusammen mit der Aufklärung über eine gute Mundhygiene und dem Gebrauch von fluoridhaltiger Zahnpasta dazu geführt, dass in den letzten Jahren das Vorkommen von Karies in allen Altersgruppen gesunken ist. Dazu beigetragen hat die Ausweitung der Versiegelung der Kauflächen von Backenzähnen (Fissurenversiegelung) bei Kindern und Jugendlichen.

Von dem generellen Trend zur Verbesserung der Mundgesundheit profitieren alle Bevölkerungsgruppen, auch solche mit niedrigem Sozial status2. Das individuelle Kariesrisiko steht allerdings weiterhin in engem Zusammenhang mit der sozialen Schicht (2). Das Maß für die Zahngesundheit ist der DMFT (decayed, missing, filled teeth)-Index, der die Zahl der akut kariösen, fehlenden bzw. mit einer Füllung sanierten Zähne beschreibt. Das Ziel der WHO und der Bundeszahnärztekammer, den DMFT-Index bei den 12-Jährigen bis zum Jahr 2020 auf einen Wert von unter 1,0 zu senken, wird mit einem Wert von 0,5 bereits heute deutlich übertroffen (1,2).

Inzwischen haben 81,3 % der Kinder ein gesundes Gebiss (2). Damit nimmt Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (2).

Gründliches und regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta hält das Kariesrisiko gering.

Rückgang der Milchzahnkaries

Zwischen 1980 und 2009 betrug der Kariesrückgang bei den 12-Jährigen über 89 %. Bei den Milchzähnen der Schulanfänger ging die Kariesprävalenz im Zeitraum von 1994 bis 2009 ebenfalls zurück, und zwar um durchschnittlich 36,8 % (3). Dieser positive Trend hat sich in beiden Altersgruppen bis 2016 fortgesetzt (4).

Karies hat viele Ursachen

Die Kariesentwicklung beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Im Ergebnis erfolgt eine Demineralisierung des Zahns aufgrund der Säurebildung der Bakterien im Zahnbelag.

Die Bakterien bilden die Säuren beim Abbau fermentierbarer Kohlenhydrate wie Zucker und Stärke – entsprechend sind alle Lebensmittel, die vergärbare Kohlenhydrate enthalten, potenziell kariogen (5,6,7,8).

Es spielt keine entscheidende Rolle, ob es sich bei den vergärbaren Kohlenhydraten um Polysaccharide wie Stärke, um Monosaccharide wie Glukose oder Fruktose oder um Disaccharide wie Saccharose, Maltose  oder Laktose handelt.

Auch die Herkunft der Kohlenhydrate ist nicht entscheidend: Eine Unterscheidung von „natürlich vorhandenen“ und „zugesetzten“ Zuckerarten ist wissenschaftlich nicht begründbar (5,6,7,10).

In der Praxis bedeutet dies, dass salzige Snacks, Brot oder auch Frühstückszerealien ebenso wie Süßigkeiten und Obst zur Demineralisierung der Zähne beitragen können (8). Auch stärkehaltige Lebensmittel tragen zur Kariesentstehung bei (6).

Die Verzehrshäufigkeit – der entscheidende Faktor

Je häufiger Säuren den Zahnschmelz angreifen und je länger sie auf den Zahn einwirken, desto größer ist ihr Anteil an der Kariesbildung. Somit hat die Verzehrshäufigkeit einen entscheidenden Einfluss (6,7,11).

Eine häufige Nahrungszufuhr fördert einen wiederholten Säureangriff auf die Zähne. Damit verkürzt sich die Zeitspanne für den remineralisierenden Effekt des Speichels und das Kariesrisiko steigt. Dies gilt ebenso, wenn man das Zähneputzen nach den Mahlzeiten unterlässt. Die Experten des EURODIET-Projektes legen zur Erarbeitung europäischer Ernährungsrichtlinien keine Verzehrsobergrenze für Zuckerarten fest, sondern betonen die Bedeutung der Verzehrshäufigkeit für die Kariesprävention (9).

Der Empfehlung der WHO, die Aufnahme zugesetzter Zucker arten wegen ihres Einflusses auf die Kariesentwicklung zu begrenzen, fehlt insofern jegliche wissenschaftliche Basis (12,13,14).

1 Robert Koch-Institut: Mundgesundheit. Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2009; Heft 47, S. 14–16.

2 Jordan R., Michaelis W.: Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Hrsg.: Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). IDZMaterialienreihe; Band 35. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2016.

3 Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2009 – Gutachten, Bonn 2010.

4 Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V., Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016, DAJ 2017

5 Van Loveren C.: Ernährung und Zahnkaries. Oralprophylaxe & Kinderzahnheilkunde 2006; 28(2), S. 76–81.

6 Wiedemann W.: Kohlenhydrate, Karies und die Erkrankungen des Zahnhalteapparates. In: Kluthe R, Kasper H (Hrsg): Kohlenhydrate in der Ernährungsmedizin unter besonderer Berücksichtigung des Zuckers. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996; S. 54–59.

7 König K.G., Navia J.M.: Nutritional role of sugars in oral health. Am J Clin Nutr. 1995; 62(1), S. 275–283.

8 Staufenbiel I., Adam K., Deac A., Geurtsen W., Günay H.: Influence of fruit consumption and fluoride application on the prevalence of caries and erosion in vegetarians – a controlled clinical trial. Eur J Clin Nutr. 2015; doi:10.1038/ejcn.2015.20.

9 Eurodiet Reports and Proceedings. Public Health Nutr. 2001; 4, 2(A) und 2(B).

10 Issa A.I., Toumba K.J., Preston A.J., Duggal M.S.: Comparison of the effects of whole and juiced fruits and vegetables on enamel demineralisation in situ. Caries Res. 2011; 45(5), S. 448–452.

11 Anderson C.A., Curzon M.E.J., Van Loveren C., Tatsi C., Duggal MS: Sucrose and dental caries: a review of the evidence. Obes Rev. 2009; 10(1), S. 41–45.

12 WHO/FAO: Guideline: Sugars intake for adults and children. Geneva, 2015.

13 Ruxton C.H., Garceau F.J., Cottrell R.C.: Guidelines for sugar consumption in Europe: is a quantitative approach justified? Eur J Clin Nutr. 1999; 53(7), S. 503–513.

14 EFSA: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre, EFSA 2010; 8(3): 1462.