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EU-Kommission bremst mit neuen Benchmarks im Emissionshandel die Transformation zur klimaneutralen Zuckerproduktion aus

Berlin, 22. Juni 2026 – Die EU-Kommission hat gemeinsam mit den Mitgliedstaaten verschärfte Benchmarkwerte für den CO2-Ausstoß von Industrieanlagen im Emissionshandelssystem (ETS) beschlossen. Sie bedeuten erhebliche Mehrkosten für die Zuckerindustrie, während die Branche bereits Milliarden in die klimaneutrale Zuckerproduktion investiert. Die EU-Kommission muss ihre Berechnungsmethodik überprüfen und darf zusammen mit der Revision des Emissionshandels eine praktikable Transformation nicht behindern.

Die Benchmarks sind Grundlage für die Anzahl an CO₂‑Zertifikaten, die Unternehmen künftig kostenlos erhalten. Wenn Anlagen die schärferen Vorgaben nicht einhalten, müssen zusätzliche Emissionszertifikate zugekauft werden. Die Kommission will damit Investitionen in emissionsärmere Produktionsverfahren erreichen. Allerdings legt sie diesem Ziel mit der Verschärfung selbst Steine in den Weg. Denn die neuen Benchmarks bedeuten für die Zuckerindustrie erhebliche Mehrkosten. Und das, obwohl die Branche in den letzten Jahrzehnten bereits über 60% ihrer CO2-Emissionen gesenkt hat und sich heute längst auf dem Weg zur klimaneutralen Zuckerproduktion bis 2045 befindet. Damit bekennt sie sich zu den EU-weiten und nationalen Klimazielen.

Diese Anstrengungen zur Defossilisierung sollten nicht ausgebremst, sondern gefördert werden. Bei der anstehenden generellen Reform des ETS muss sich die EU-Kommission an einer realistischen Transformationsgeschwindigkeit orientieren.

Ein Blick in die Praxis

Eine klimaneutrale Zuckerproduktion ist unter Einsatz eines Teils der im Produktionsprozess übrigbleibenden Biomasse-Reststoffe möglich. Aber die Umstellung geht nicht von einer Rübenkampagne zur nächsten. Dafür müssen an jedem Standort neue Anlagen gebaut und bestehende überarbeitet werden. Im Einzelfall sind auch Infrastrukturanpassungen erforderlich (bspw. Netzanschlüsse), die maßgeblich von den Stromnetzbetreibern abhängen und auf die die Zuckerindustrie nur begrenzten Einfluss hat. Teilweise wird hierfür sogar eine Vorfinanzierung durch die Industrie erwartet. Dies bedingt Projektlaufzeiten über mehrere Jahre von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung. Die Anpassungen kosten den Sektor über die nächsten Jahre Milliarden an Investitionen. Die Unternehmen bringen dieses Budget auf und halten somit am Klimaziel fest, obwohl die Branche derzeit durch massiv gefallene Zuckerpreise und steigende Kosten unter erheblichem Druck steht.

Die Bemessung der Benchmarks, die sich an den besten 10 % der Unternehmen eines Sektors orientiert, ist eine zusätzliche materielle Belastung bei den laufenden Transformationsanstrengungen. Die EU-Kommission sollte die Methodik überprüfen und sich an Durchschnittswerten der besten 50 % der sektorspezifischen Industrieunternehmen orientieren.

Weiterführende Informationen:

  • Stellungnahme des Vereins der Zuckerindustrie zum Kommissionsvorschlag für eine Verordnung zur Überarbeitung der Benchmarks für die kostenlose Zuteilung von ETS-Zertifikaten ab 2026 vom 10. Juni 2026 [LINK]
  • Stellungnahme des Europäischen Dachverbands der Zuckerindustrie zum ETS Benchmark Update 2026-2030 vom 08. Juni 2026 [LINK]