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Günter Tissen kommentiert: Eine Zuckerabgabe macht nicht schlank, sondern steigert den Einsatz künstlicher Süßstoffe

Um es klar vorwegzunehmen: Übergewichtsprävention braucht keine Zuckerabgabe, sondern Ernährungsbildung und Verbraucheraufklärung. Denn eine Zuckersteuer zeigt bisher in keinem Land nachweislich Erfolg. Auch nicht in Großbritannien, das als Vorbild für die hiesige Zuckerabgabe gelten soll. Dort nehmen Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen seit Jahren zu, auch nach der Einführung einer Zuckersteuer.

Und auch die häufig aufgeführte Studie zu Kindern liefert keinen Beweis. Beim genauen Hinsehen löst sich der vermeintliche Erfolg bei den 10-11-jährigen Mädchen in Luft auf (1). Wozu die Zuckersteuer in Großbritannien aber sehr wohl nachweislich führt, ist der gestiegene Einsatz von Süßstoffen. Das wird gerne verschwiegen, ist aber logisch.

Um geschmacklich ähnlich zu bleiben und die Steuer zu umgehen, wird das Naturprodukt Rübenzucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt (2,3). So findet man heute in fast allen zuckerhaltigen Getränken in Großbritannien neben einer reduzierten Menge Zucker auch Süßstoffe wie Sucralose, Natriumcyclamat, Acesulfam K oder Aspartam in der Zutatenliste. Das schränkt nicht nur die Auswahl für diejenigen stark ein, die künstlichen Süßstoffe bewusst meiden. Süßstoffe sind nach Einschätzung von WHO und BfR keine Lösung gegen Übergewicht. Auch das UBA macht sich Sorgen um die Belastung des Trinkwassers, da künstliche Süßstoffe unverdaut wieder ausgeschieden werden und auch die Bakterien der Wasseraufbereitungsanlagen diese Stoffe nicht oder nur unzulänglich abbauen können.

Warum dennoch deutsche Kinderärzte sowie Patienten- und Verbraucherschutzorganisationen die Einführung einer Zuckerabgabe nach britischem Vorbild fordern, ist unklar. Erst recht, wenn sie sonst selbst darauf hinweisen, dass Süßstoffe keine gesündere Alternative zu Zucker sind(4). Wer vor künstlichen Süßstoffen warnt, kann nicht gleichzeitig eine Abgabe fordern, die den Einsatz deutlich steigert.

Erst recht, wenn selbst aus dem Kreis der wissenschaftlichen Befürworter in Bezug auf die Zuckerabgabe explizit auf „keine bahnbrechenden erwartbaren Effekte“ gegen Übergewicht hingewiesen wird. Wofür dann das Ganze? Die Wirtschaft jedenfalls hat derzeit kein Geld für wirkungslose Steuerexperimente und der Verbraucher sicher auch nicht.

Verweise

1 Siehe WVZ-Auswertung zur Studie Rogers et al. https://www.zuckerverbaende.de/wp-content/uploads/2023/03/
WVZ_Studienservice_Mrz-2023_Rogers_UK-softdrinks-levy.pdf
2 https://www.sipcan.at/post/die-britische-zuckersteuer-eine-gute-loesung.
3 Kutepova et al, Declining trends in sweetness of the diet in the UK: 2008/9–2018/19, Front Nutr, 2025.
4 https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmitt