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Grußwort des Vorsitzenden des Vereins der Zuckerindustrie Dr. Lars Gorissen für Sugar Industry 01/2026
Das Jahr 2026 beginnt mit großen Herausforderungen – und Chancen. Die Zuckerrübenkampagne hat eine gute Ernte gebracht, doch der europäische Zuckermarkt steht unter massivem Druck. Billigimporte aus Drittstaaten gefährden die Stabilität des Marktes und damit die wirtschaftliche Grundlage für unsere Landwirte und Fabriken. Wir fordern deshalb, keine weiteren Importquoten zuzulassen und weitere Schlupflöcher für diese Importe zu schließen. Nur so können wir die heimische Zuckerproduktion und die Versorgungssicherheit in Europa gewährleisten und weiter die Transformation zur Klimaneutralität vorantreiben. Unsere Branche hat den Weg aufgezeigt: Mit Biomethan aus Rübenschnitzeln können wir unsere Fabriken unabhängig von fossilen Energieträgern betreiben. Doch diese Dekarbonisierung erfordert Milliardeninvestitionen – Investitionen, die wir trotz schwieriger Rahmenbedingungen stemmen müssen. Wir haben die Konzepte und die Technologien. Jetzt brauchen wir Planungssicherheit und eine Politik, die die Potenziale der heimischen Industrie erkennt und den Wirtschaftszweig sichert.
Nicht nur auf dem Zuckermarkt und in der Klimatransformation sind dicke Bretter zu bohren – auch auf dem Acker stehen wir mit dem SBR-Komplex vor großen Aufgaben. Die durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragene Krankheit bedroht nicht nur die Zuckerrübe, sondern auch andere Kulturen. Erste Erfolge durch Notfallzulassungen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber das reicht nicht: Wir brauchen einen integrierten Ansatz aus Pflanzenschutz, Fruchtfolge, Pflanzenstärkung und Züchtung – und dafür politische Unterstützung. Beschleunigte Zulassungsverfahren, ein innovationsfreundlicher Rechtsrahmen für neue Züchtungstechniken und ausreichende Forschungsmittel sind unverzichtbar, um die heimische Lebensmittelversorgung zu sichern. Deshalb sind Notfallzulassungen für das Anbaujahr 2026 bis zur regulären Zulassung wirksamer Insektizide unerlässlich.
175 Jahre Vereinsarbeit zeigen: Unsere Branche steht für Verlässlichkeit und Zukunft. Unter dem Motto „Zucker feiert Zukunft“ haben wir dieses Jubiläum gemeinsam mit der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker begangen. Es war ein Anlass, stolz zurückzublicken – und zugleich ein Auftrag, die kommenden Herausforderungen entschlossen anzugehen. Wir wollen weiterhin ein starker Partner für Politik, Gesellschaft und unsere Landwirte sein. Deshalb setzen wir auf Innovationen: von Präzisionslandwirtschaft über Robotik bis hin zu neuen Züchtungstechniken. Diese Technologien sind entscheidend, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu begrenzen und die Produktivität zu steigern. Dafür investieren wir in Forschung und Entwicklung – und erwarten, dass die Politik den notwendigen Rechtsrahmen schafft.
In herausfordernden Zeiten gilt mehr denn je: Erfolg ist Teamarbeit. Und wir sehen Chancen: Wir haben die Technologien für die Dekarbonisierung, unsere Branche ist seit jeher Innovationstreiber und die Zusammenarbeit mit der Politik kann den entscheidenden Unterschied machen. Wenn wir gemeinsam die richtigen Weichen stellen, wird 2026 nicht nur ein Jahr der Herausforderungen, sondern ein Jahr des Aufbruchs – für eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und zukunftsfähige Zuckerwirtschaft. Die Zuckerwirtschaft leistet ihren Beitrag: für sichere Lebensmittel, für Klimaneutralität und für Wertschöpfung in unseren Regionen. Das ist unser Ziel, und daran arbeiten wir.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, unseren Partnern und uns allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2026.