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#MeetTheBeet

An der Zuckerrübe hängen in ganz Deutschland über 40.000 Jobs. Neben den Arbeitsplätzen in der Fabrik und im Anbaubetrieb hängen an der Zuckerrübe beispielsweise auch Aufträge im Maschinen-Verleih, in der Saatgut-Herstellung, im Elektro-Service oder in der Forschung und in der verarbeitenden Lebensmittelproduktion.

Mit #MeetTheBeet wollen wir die Zuckerwirtschaft persönlich zeigen. Wer steckt eigentlich hinter der Rübe und dem Zucker? Wessen Einkommen hängt daran?

Scrollen Sie durch die folgenden Bilder und lernen Sie Gesichter hinter der Zuckerrübe kennen.

Claus Comberg, Maschinenring-Vorsitzender in Mettmann

Die hässliche Prinzessin: Das ist aus der Königin Zuckerrübe geworden. Sie muss wieder an Schönheit gewinnen.

Claus Comberg

„Durch einheitliche Subventions- und Pflanzenschutzregeln muss sie für deutsche Anbauer wieder rentabel werden. Außerdem braucht es mehr Anerkennung für ihre Umweltleistungen – denn die Rübe auf dem Acker macht Böden und Grundwasser besser. Wenn die Rübe und die Fabriken aus Deutschland verschwinden, brauchen wir Zucker aus anderen Ländern. Und das ist weder gut für unsere Wirtschaft noch für die Umwelt“, sagt Claus Comberg, 64 Jahre alt.

Claus Comberg ist selbst Landwirt und zugleich Vorsitzender des Maschinenrings Rheinland-Ost. Als Verleiher von Erntemaschinen tätigt er große Investitionen in nachhaltige Technologien – auch für die Rübenernte –, die sich auch künftig noch lohnen müssen. Die Fabriken dürfen nicht aus dem ländlichen Raum verschwinden. Sonst sind auch Jobs wie seiner in Gefahr.

Christian Piel, Landwirt im Kreis Hildesheim

Ohne Zucker geht es nicht. Der Rübenanbau ist für uns hier vor Ort wirtschaftlich sehr wichtig.

Christian Piel

„Wir sollten ihn erhalten und uns nicht in Import-Abhängigkeit bringen. Das kann nur mit mehr Akzeptanz für uns Landwirte – politisch und gesellschaftlich – gelingen. Und nur mit den gleichen Regeln in der gesamten EU. Umweltschutz ist wichtig, gerne setzen wir freiwillig Maßnahmen wie Blühstreifen um. Dennoch ist Einheitlichkeit dieser und weiterer Maßnahmen zukünftig von Bedeutung. Das ist heute nicht der Fall. Die Politik muss sich also entscheiden, was sie will: zwei Leute, die blühende Wiesen pflegen, oder ein Land, dass die Leute (oder: auch noch die nächsten Generationen) ernährt“, fordert Christian Piel.

Christian Piel übernahm bereits 1996 den Hof von seinen Eltern – mit Zuckerrüben. Landwirtschaft bedeutet für ihn Spaß/ Leidenschaft – und den hat er wohl auch seiner Familie vererbt. Auch Piels Tochter studiert derzeit Landwirtschaft. Ob sie den Hof künftig übernehmen kann, wird sich zeigen. Damit sich Landwirtschaft auch zukünftig lohnt, muss sich nämlich einiges verändern.

Gustav Ahrens, Landwirt im Landkreis Hildesheim

Mein Hof lebt daher von der Rübe – und das soll auch weiterhin so bleiben.

Gustav Ahrens

„Aus meinen Zuckerrüben wird mehr als nur Zucker. Die Zuckerfabrik liefert mir auch Futter für meine Kühe. Wenn ich Rübenschnitzel im Frühjahr bestelle, weiß ich dass ich im Herbst diese Menge bekomme. So brauche ich kein weiteres Futter selbst anbauen und habe Planungssicherheit. Bei Maisschnitzeln ist das nicht so, das ist schwankungsanfällig. Mein Hof lebt daher von der Rübe – und das soll auch weiterhin so bleiben“, erklärt Gustav Ahrens.

Auf dem Hof von Gustav Ahrens leben ca. 50 Milchkühe und Kälber. Auf seinen Feldern baut er unter anderem Zuckerrüben an. Ein gutes Zusammenspiel. Denn er bekommt ein Teilmenge der Zuckerrüben, die r an die Fabrik liefert, als Pressschnitzel zurück. Und davon isst alleine eine Kuh 25 kg am Tag. Sie haben nicht nur einen hohen Energiegehalt, sondern schmecken den Kühen auch sehr gut. Der Zuckerrübenanbau ist für ihn – und seine Kühe – daher überlebenswichtig.

Christoph-Heinrich Möller, Landwirt in der Region Hannover

Der Wegfall von Zuckerfabriken in der Gegend hat den Standort und die Menschen schon heute sehr getroffen.

Christoph-Heinrich Möller

„Die Zuckerfabriken waren früher ein Teil der Identität des Ortes, das ist heute leider nicht mehr so. Für mich und meine Familie bedeutet die Zuckerrübe aber weiterhin viel. Wir bauen sie nicht nur für die Zuckerfabrik an, sondern auch für unsere Biogasanlage, die ich mit vier weiteren Landwirten aus der Region betreibe. Eine wichtige Zusatzeinnahme für uns alle“, so Landwirt Christoph- Heinrich Möller.

3.000.000 Kubikmeter Biomethan erzeugt die Biogasanlage von ihm und seinen Kollegen jedes Jahr. Produziert wird das Biogas unter anderem durch Zuckerrüben, die nach der Ernte übrigbleiben. Die Zuckerrübe eignet sich deshalb so gut dafür, weil sie sehr viel Wasser enthält und dadurch das Rühren erleichtert und so weniger Energie verbraucht wird. Daneben ist der Zucker ein idealer Nährboden für die Bakterien. Und der gesamte Prozess, den Möller und seine Kollegen entwickelt haben, ist sogar besonders ressourcenschonen. Das Gärsubstrat tragen sie nach der Gärung auf die Äcker als Dünger auf. Ein nachhaltiger Kreislauf also.

Hubertus Velder, Vorstand im Rheinischen Rübenbauer-Verband

Die nachhaltige Fruchtfolge ist von der Politik ein richtiges und gutes Signal. Nur das tut unseren Böden nachhaltig gut.

Hubertus Velder

„Ich selbst baue bewusst viele Feldfrüchte an, die sich gegenseitig unterstützen. Dazu gehören: Kartoffeln, Möhren, Buschbohnen, Winterweizen, Wintergerste, Futtermöhren, Körnermais, Grünerbsen, aber eben auch Zuckerrüben. Und die dürfen nicht aus der Fruchtfolge verschwinden“, so Hubertus Velder.

Bereits in der 7. Generation führt Hubertus Velder seinen Hof – bald übernimmt die 8. Und die setzt dann sicher auch sein Handeln vor: Seit über 30 Jahren baut Velder schon Blühstreifen an. Und die sind nicht nur wertvoll für Bienen, sondern auch andere Insekten. Nutzinsekten wie Marienkäfer. Und das ist mit Blick auf den Pflanzenschutz sehr hilfreich. Blühstreifen fördern die Antagonisten der Schädlinge. So lassen sich diese natürlich bekämpfen.

Henning Rühmann, Landwirt in Braunschweig

Was ich mir von der Politik wünsche, sind Gesetze, die es ermöglichen verantwortungsvoll und nachhaltig wirksamen Pflanzenschutz zu nutzen, den wir heute und auch für die Zukunft brauchen.

Henning Rühmann

„Ich halte an der Zuckerrübe fest aus Tradition und, weil sie mit den sehr guten Erträgen auf unsere Böden gehört. Heute stellen aber leider die niedrigen Preise, die wir Landwirte für die Zuckerrübe bekommen, eine große Last für die Rentabilität dar. Das ist auch verbunden mit viel Unsicherheit. Was ich mir deshalb von der Politik wünsche, sind Gesetze, die es ermöglichen verantwortungsvoll und nachhaltig wirksamen Pflanzenschutz zu nutzen, den wir heute und auch für die Zukunft brauchen“, sagt Hennig Rühmann.

200 Hektar Fläche und sehr viel Tradition: Der Agrarökonom Henning Rühmann führt den Hof seit 2015 mit. Nachweislich betreibt Familie Rühmann seit bereit 1567 Landwirtschaft – und schon seit 150 Jahren werden auch Zuckerrüben angebaut. Heute wachsen sie dort immer noch, auf knapp einem Viertel der gesamten Fläche. Das soll auch zukünftig so bleiben, dafür muss sich der Anbau für Landwirte wie Rühmann aber auch rechnen.

Friedhelm Großenbeck, Konditormeister aus Mülheim an der Ruhr

Am Ende ist das richtige Maß entscheidend. Torten oder Kuchen brauchen aber Zucker

Friedhelm Großenbeck

„Im familiengeführten Stadtcafé Sander verarbeiten wir viele Produkte – unter anderem auch Zucker. Zum Beispiel für eine unserer Spezialitäten: den Baumkuchen. Zucker ist hier vor allem für die Konsistenz, aber auch den perfekten Geschmack des Kuchens sehr wichtig. Ohne Zucker geht es nicht. Auch Marzipan können wir nicht herstellen, ohne Zucker zu verwenden. Am Ende ist das richtige Maß entscheidend. Torten oder Kuchen brauchen aber Zucker“, sagt Friedhelm Großenbeck, 61 Jahre alt und stellvertretender Obermeister der Konditoren-Innung Rhein-Ruhr.

Er und seine Frau betreiben in 7. Generation das Stadtcafé Sander in Mülheim an der Ruhr – mit eigener Konditorei. Als Ausbildungsbetrieb sorgen die Beiden und ihr Team auch weiter für Konditorennachwuchs. Und der lernt hier viel: Neben Baumkuchen gehören auch handgemachte Pralinen zu den Spezialitäten des Hauses.

Niels Kynast, Landwirt aus Schwüblingsen

Ich bin ein großer Fan der Zuckerrübe: Sie ist sehr umweltverträglich, da sie sehr gut den Stickstoff im Boden bindet.

Niels Kynast

„Ich bin ein großer Fan der Zuckerrübe: Sie ist sehr umweltverträglich, da sie sehr gut den Stickstoff im Boden bindet. Ich bin außerdem begeistert davon, wieviel Sauerstoff so ein Zuckerrübenfeld produziert. Auf meinen Zuckerrübenfeld beobachte ich im frühen Stadium der Frucht außerdem viele Vögel. Denn die Felder bieten ihnen ein gutes Lebensumfeld. Dennoch: Die Zuckerrübe steht unter sehr großen wirtschaftlichen Druck. Und das trotz all dieser Leistungen. Das muss sich wieder ändern“, Niels Kynast.

Niels Kynast, 45, konzentriert sich auf seinem Hof vor allem auf den Anbau von Kartoffeln und Zuckerrüben. Außerdem haben 70 Hühner auf seinem Hof ein Zuhause. Die Zuckerrübe ist besonders als Vorfrucht für ihn sehr gut geeignet – auch weil sie wenig Stickstoff benötigt. Rübenanbau bedeutet heute aber auch, mehr machen zu müssen. Denn die Erträge sinken und die Preise fallen. Das belastet heute viele Höfe.