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#MeetTheBeet

An der Zuckerrübe hängen in ganz Deutschland über 40.000 Jobs. Neben den Arbeitsplätzen in der Fabrik und im Anbaubetrieb hängen an der Zuckerrübe beispielsweise auch Aufträge im Maschinen-Verleih, in der Saatgut-Herstellung, im Elektro-Service oder in der Forschung und in der verarbeitenden Lebensmittelproduktion.

Mit #MeetTheBeet wollen wir die Zuckerwirtschaft persönlich zeigen. Wer steckt eigentlich hinter der Rübe und dem Zucker? Wessen Einkommen hängt daran?

Scrollen Sie durch die folgenden Bilder und lernen Sie Gesichter hinter der Zuckerrübe kennen.

Mit unserer Forschung für wollen wir praxisnahe Lösungen für den Rübenanbau finden.

Eva Therhaag & David Löffler

„Der Zuckerrübenanbau steht vor neuen Herausforderungen. So haben wir vermehrt mit invasiven Schädlingen und Krankheiten zu tun, die vom Klimawandel profitieren und sich nun bei uns ausbreiten. Im NIKIZ Projekt, das steht für Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft, suchen wir daher nach alternativen Möglichkeiten, um diese Schädlinge in den Griff zu bekommen. Gemeinsam mit der Praxis und der Forschung wollen wir Wege finden, um den Zuckerrübenanbau in der Region nachhaltig zu sichern“, erzählt Eva Therhaag.

„Einer der neuen Schädlinge ist die Schilf-Glasflügelzikade. Sie überträgt eine bakterielle Krankheit, das Syndrome Basses Richesses. Diese führt bei Zuckerrüben zu einem niedrigeren Zuckergehalt und damit zu enormen Ertragseinbußen – sie können bis zu 40% betragen“, ergänzt David Löffler. Die Nymphen der Zikade überwintern im Boden. Nach der Überwinterung beenden die Nymphen ihre Entwicklung im folgenden Frühjahr in Winterweizen. Aus den Weizenschlägen startet der Zikadenflug dann in angrenzende Zuckerrübenfelder bei der die Zikade das Bakterium durch Saugen an die Pflanzen überträgt. „Daher versuchen wir herauszufinden, ob ackerbauliche Methoden wie Pflügen und Grubbern Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Nymphen im Boden haben. Ebenso schauen wir, ob das Verändern der Fruchtfolge Erfolg verspricht. Daher stehen unsere Versuchszelte auch nicht im Rübenfeld, sondern zum Beispiel im Weizenschlag.“

„Wir als Verband wollen nicht warten, bis Lösungen von irgendwoher kommen. Wir wollen proaktiv an die Veränderungen herangehen und tun mit unserem Projekt genau das“, sagt Eva Therhaag. „Fünfzehn Landwirte sind als Partner dabei. Das Projekt läuft im Rahmen der Europäischen Innovations-Partnerschaft für Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) und erhält Landes- und europäische Mittel“, so Eva Therhaag.

Die Agrarwissenschaftlerin Eva Therhaag arbeitet im NIKIZ Projekt mit und ist seit knapp 1.5 Jahren für den Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer tätig. In dieser Rolle hat sie die Gründung der Forschungsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest begleitet und koordiniert diese.

David Löffler ist gelernter Gärtner Fachrichtung Gemüsebau und hat Gartenbauwissenschaften studiert. Gartenbau und vor allem der Gemüseanbau sind Themen, die ihm quasi in die Wiege gelegt wurden – denn auch seine Familie arbeitet in diesem Bereich. Seit Anfang des Jahres ist er Teil des NIKIZ Projekts.

Aus Zuckerrübenschnitzeln lässt sich Papier herstellen - und das sogar ziemlich gut!

Jan Rops

„Aus Zuckerrübenschnitzeln, die bei der Zuckerproduktion anfallen, lässt sich Papier herstellen – und das sogar ziemlich gut! Die Zuckerrübe besitzt von Natur aus Eigenschaften, die sich bestens für die Papierherstellung eignen. Denn sie hat sehr stabile Fasern und enthält Pektin. Das sorgt dafür, dass das Papier sehr fest ist und sich auch für Verpackungen eignet. Aber auch in Punkto Nachhaltigkeit hat die Zuckerrübe entscheidende Vorteile: Rüben wachsen sehr viel schneller nach als Holz und sie werden lokal angebaut. Damit ist der Weg vom Feld zum Produkt besonders kurz, denn die Rübenschnitzel können sogar ohne Vorbearbeitung in die Papierfabrik gebracht werden,“ erklärt Jan Rops. „Anders als Holz enthalten Zuckerrüben auch kein Lignin. Damit ist die Herstellung zusätzlich weniger energieaufwändig und besser für die Umwelt.“

Jan Rops, 50, arbeitet als Produktmanager bei Crown van Gelder in den Niederlanden. Er studierte Chemical Engineering in Delft, Bilbao und London. Gemeinsam mit fünf weiteren Partnern hat Crown Van Gelder drei Jahre lang an dem Zuckerrübenpapier getüftelt, bis es serienreif war. 2022 wurden sie für ihre Erfindung in Barcelona mit dem EUROSAC Grand Prix ausgezeichnet. Heute sind zwölf Personen an der Forschung bei Crown Van Gelder beschäftigt.

Die hässliche Prinzessin: Das ist aus der Königin Zuckerrübe geworden. Sie muss wieder an Schönheit gewinnen.

Claus Comberg

„Durch einheitliche Subventions- und Pflanzenschutzregeln muss sie für deutsche Anbauer wieder rentabel werden. Außerdem braucht es mehr Anerkennung für ihre Umweltleistungen – denn die Rübe auf dem Acker macht Böden und Grundwasser besser. Wenn die Rübe und die Fabriken aus Deutschland verschwinden, brauchen wir Zucker aus anderen Ländern. Und das ist weder gut für unsere Wirtschaft noch für die Umwelt“, sagt Claus Comberg, 64 Jahre alt.

Claus Comberg ist selbst Landwirt und zugleich Vorsitzender des Maschinenrings Rheinland-Ost. Als Verleiher von Erntemaschinen tätigt er große Investitionen in nachhaltige Technologien – auch für die Rübenernte –, die sich auch künftig noch lohnen müssen. Die Fabriken dürfen nicht aus dem ländlichen Raum verschwinden. Sonst sind auch Jobs wie seiner in Gefahr.

Mein Hof lebt daher von der Rübe – und das soll auch weiterhin so bleiben.

Gustav Ahrens

„Aus meinen Zuckerrüben wird mehr als nur Zucker. Die Zuckerfabrik liefert mir auch Futter für meine Kühe. Wenn ich Rübenschnitzel im Frühjahr bestelle, weiß ich dass ich im Herbst diese Menge bekomme. So brauche ich kein weiteres Futter selbst anbauen und habe Planungssicherheit. Bei Maisschnitzeln ist das nicht so, das ist schwankungsanfällig. Mein Hof lebt daher von der Rübe – und das soll auch weiterhin so bleiben“, erklärt Gustav Ahrens.

Auf dem Hof von Gustav Ahrens leben ca. 50 Milchkühe und Kälber. Auf seinen Feldern baut er unter anderem Zuckerrüben an. Ein gutes Zusammenspiel. Denn er bekommt eine Teilmenge der Zuckerrüben, die er an die Fabrik liefert, als Pressschnitzel zurück. Und davon isst alleine eine Kuh 25 kg am Tag. Sie haben nicht nur einen hohen Energiegehalt, sondern schmecken den Kühen auch sehr gut. Der Zuckerrübenanbau ist für ihn – und seine Kühe – daher überlebenswichtig.

Der Job in der Zuckerfabrik war wie ein Sechser im Lotto.

Nico Deigfuß

„Die Zuckerfabrik in Könnern ist einer der wenigen Industriestandorte in der Region und bietet gut bezahlte Arbeitsplätze mit optimalen Konditionen. Und es ist ein Job mit Zukunft. Als ich 2005 meine Ausbildung hier beginnen konnte, war das wie ein Sechser im Lotto“, so Deigfuß.

Nico Deigfuß arbeitet heute in der Veredlung. Das ist die Abteilung in einem Zuckerwerk, in der Zucker in verschiedene Verpackungsgrößen abgepackt wird – vom Kilopaket für den Supermarkt über große Säcke bis hin zum Beladen von ganzen LKW mit losem Zucker. In der Veredlung werden aber auch besondere Zuckersorten produziert, beispielsweise Würfelzucker. Hier hat Deigfuß nach der Ausbildung begonnen. Über 22 Tonnen Würfelzucker werden in Könnern pro Tag hergestellt. Um das zu schaffen, darf das Band so gut wie nie stillstehen. Dafür ist der Anlagenfahrer zuständig. Er muss jedes Detail der Maschine kennen und stets die Qualität des Produkts überprüfen. Inzwischen hat sich Nico Deigfuß in alle Bereiche der Veredlung eingearbeitet. Ob im Leitstand, wo die Verteilung des gesiebten Zuckers auf die verschiedenen Verpackungsanlagen stattfindet, oder an den Anlagen direkt, er kann als „Super-Springer“ überall eingesetzt werden.

Der Wegfall von Zuckerfabriken in der Gegend hat den Standort und die Menschen schon heute sehr getroffen.

Christoph-Heinrich Möller

„Die Zuckerfabriken waren früher ein Teil der Identität des Ortes, das ist heute leider nicht mehr so. Für mich und meine Familie bedeutet die Zuckerrübe aber weiterhin viel. Wir bauen sie nicht nur für die Zuckerfabrik an, sondern auch für unsere Biogasanlage, die ich mit vier weiteren Landwirten aus der Region betreibe. Eine wichtige Zusatzeinnahme für uns alle“, so Landwirt Christoph- Heinrich Möller.

3.000.000 Kubikmeter Biomethan erzeugt die Biogasanlage von ihm und seinen Kollegen jedes Jahr. Produziert wird das Biogas unter anderem durch Zuckerrüben, die nach der Ernte übrigbleiben. Die Zuckerrübe eignet sich deshalb so gut dafür, weil sie sehr viel Wasser enthält und dadurch das Rühren erleichtert und so weniger Energie verbraucht wird. Daneben ist der Zucker ein idealer Nährboden für die Bakterien. Und der gesamte Prozess, den Möller und seine Kollegen entwickelt haben, ist sogar besonders ressourcenschonen. Das Gärsubstrat tragen sie nach der Gärung auf die Äcker als Dünger auf. Ein nachhaltiger Kreislauf also.

Die nachhaltige Fruchtfolge ist von der Politik ein richtiges und gutes Signal. Nur das tut unseren Böden nachhaltig gut.

Hubertus Velder

„Ich selbst baue bewusst viele Feldfrüchte an, die sich gegenseitig unterstützen. Dazu gehören: Kartoffeln, Möhren, Buschbohnen, Winterweizen, Wintergerste, Futtermöhren, Körnermais, Grünerbsen, aber eben auch Zuckerrüben. Und die dürfen nicht aus der Fruchtfolge verschwinden“, so Hubertus Velder.

Bereits in der 7. Generation führt Hubertus Velder seinen Hof – bald übernimmt die 8. Und die setzt dann sicher auch sein Handeln vor: Seit über 30 Jahren baut Velder schon Blühstreifen an. Und die sind nicht nur wertvoll für Bienen, sondern auch andere Insekten. Nutzinsekten wie Marienkäfer. Und das ist mit Blick auf den Pflanzenschutz sehr hilfreich. Blühstreifen fördern die Antagonisten der Schädlinge. So lassen sich diese natürlich bekämpfen.

Bei der Herstellung unserer Spezialitäten spielt Zucker eine tragende Rolle im Geschmack, aber auch für die optimale Konsistenz.

Matthias Ludwigs

„Konditorei verstehe ich als ein echtes Geschmackshandwerk. Macarons, Eis und natürlich besonders unsere Törtchen sind das Aushängeschild unserer Konditorei TörtchenTörtchen. Bei der Herstellung unserer Spezialitäten spielt Zucker eine tragende Rolle im Geschmack, aber auch für die optimale Konsistenz. So brauchen wir bei der Eisherstellung zwangsläufig immer ein bestimmtes Verhältnis von Zucker – und auch Macarons gelingen nicht zuckerreduziert“, Matthias Ludwigs.

Er ist gelernter Konditormeister und eines der bekanntesten Gesichter der Branche. So wurde er 2009 zum Patissier des Jahres ausgezeichnet und ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen. In Köln führt er als Chefpatissier die Konditorei TörtchenTörtchen mit 40 Mitarbeitern.

Ich wünsche mir Gesetze, die einen verantwortungsvollen und nachhaltigen wirksamen Pflanzenschutz ermöglichen, den wir heute und auch für die Zukunft brauchen.

Henning Rühmann

„Ich halte an der Zuckerrübe fest aus Tradition und, weil sie mit den sehr guten Erträgen auf unsere Böden gehört. Heute stellen aber leider die niedrigen Preise, die wir Landwirte für die Zuckerrübe bekommen, eine große Last für die Rentabilität dar. Das ist auch verbunden mit viel Unsicherheit. Was ich mir deshalb von der Politik wünsche, sind Gesetze, die es ermöglichen verantwortungsvoll und nachhaltig wirksamen Pflanzenschutz zu nutzen, den wir heute und auch für die Zukunft brauchen“, sagt Hennig Rühmann.

200 Hektar Fläche und sehr viel Tradition: Der Agrarökonom Henning Rühmann führt den Hof seit 2015 mit. Nachweislich betreibt Familie Rühmann seit bereit 1567 Landwirtschaft – und schon seit 150 Jahren werden auch Zuckerrüben angebaut. Heute wachsen sie dort immer noch, auf knapp einem Viertel der gesamten Fläche. Das soll auch zukünftig so bleiben, dafür muss sich der Anbau für Landwirte wie Rühmann aber auch rechnen.

Am Ende ist das richtige Maß entscheidend. Torten oder Kuchen brauchen aber Zucker

Friedhelm Großenbeck

„Im familiengeführten Stadtcafé Sander verarbeiten wir viele Produkte – unter anderem auch Zucker. Zum Beispiel für eine unserer Spezialitäten: den Baumkuchen. Zucker ist hier vor allem für die Konsistenz, aber auch den perfekten Geschmack des Kuchens sehr wichtig. Ohne Zucker geht es nicht. Auch Marzipan können wir nicht herstellen, ohne Zucker zu verwenden. Am Ende ist das richtige Maß entscheidend. Torten oder Kuchen brauchen aber Zucker“, sagt Friedhelm Großenbeck, 61 Jahre alt und stellvertretender Obermeister der Konditoren-Innung Rhein-Ruhr.

Er und seine Frau betreiben in 7. Generation das Stadtcafé Sander in Mülheim an der Ruhr – mit eigener Konditorei. Als Ausbildungsbetrieb sorgen die Beiden und ihr Team auch weiter für Konditorennachwuchs. Und der lernt hier viel: Neben Baumkuchen gehören auch handgemachte Pralinen zu den Spezialitäten des Hauses.

Ich bin ein großer Fan der Zuckerrübe: Sie ist sehr umweltverträglich, da sie sehr gut den Stickstoff im Boden bindet.

Niels Kynast

„Ich bin ein großer Fan der Zuckerrübe: Sie ist sehr umweltverträglich, da sie sehr gut den Stickstoff im Boden bindet. Ich bin außerdem begeistert davon, wieviel Sauerstoff so ein Zuckerrübenfeld produziert. Auf meinen Zuckerrübenfeld beobachte ich im frühen Stadium der Frucht außerdem viele Vögel. Denn die Felder bieten ihnen ein gutes Lebensumfeld. Dennoch: Die Zuckerrübe steht unter sehr großen wirtschaftlichen Druck. Und das trotz all dieser Leistungen. Das muss sich wieder ändern“, Niels Kynast.

Niels Kynast, 45, konzentriert sich auf seinem Hof vor allem auf den Anbau von Kartoffeln und Zuckerrüben. Außerdem haben 70 Hühner auf seinem Hof ein Zuhause. Die Zuckerrübe ist besonders als Vorfrucht für ihn sehr gut geeignet – auch weil sie wenig Stickstoff benötigt. Rübenanbau bedeutet heute aber auch, mehr machen zu müssen. Denn die Erträge sinken und die Preise fallen. Das belastet heute viele Höfe.

Vergilbungsviren schaden der Zuckerrübe. Deshalb arbeiten wir an Ansätzen zur Entwicklung resistenter Sorten.

Dr. Roxana Hossain

„Ich forsche seit mittlerweile vier Jahren in einem Projekt zum Thema Vergilbungsviren. Fehlende Pflanzenschutzmittel und auch der Klimawandel tragen dazu bei, dass dieses Thema immer wichtiger wird –Viruskrankheiten und ihre Überträger sind in Europa auf dem Vormarsch. Wir untersuchen, welche Viren der Zuckerrübe gefährlich werden können und welchen Einfluss sie auf das Pflanzenwachstum haben“, sagt Dr. Hossain. „Dafür arbeiten wir an methodischen Ansätzen zur Entwicklung resistenter Sorten. In Gewächshaustests und auf dem Feld prüfen wir die Rüben auf mögliche Virusresistenzeigenschaften.“

Dr. Roxana Hossain ist Agrarwissenschaftlerin am IfZ in Göttingen. Ihr Fachgebiet ist die Phytomedizin mit Schwerpunkt Virologie und sie forscht als Postdoktorandin gemeinsam mit Prof. Dr. Mark Varrelmann.

Die Zuckerfabrik ist bei uns einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Nicole Hause

„Ich kenne fast alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hier im Werk mit Namen und habe das Ohr in allen Abteilungen. Denn in die Kantine kommen alle. Es ist wie eine kleine Familie. Ein toller Job mit Tariflohn und geregelten Arbeitszeiten, bei dem sich Familie und Beruf gut vereinen lassen.“

Nicole Hause arbeitet seit 2010 bei Pfeifer & Langen. Nach der Planung des Tages beginnt ihre Arbeit mit der Vorbereitung von Sitzungen im Werk. Auch die Frühstücksauslage für die Belegschaft wird vorbereitet. Dann folgt das Mittagessen. Das bestellen Werksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter vor Ort oder per App vorab. Über 100 verschiedene Gerichte gibt es zur Auswahl. Sie werden extern vorproduziert. Einmal in der Woche macht Nicole Hause eine Großbestellung beim Caterer. Sie weiß, welche Gerichte Dauerbrenner sind und welche Neuheiten probiert werden können. Abwechslungsreich muss es in jedem Fall sein. Denn Kollegen und Kolleginnen in hauptsächlich sitzenden Positionen haben andere Bedürfnisse als die mit körperlich anstrengenden Jobs. Nicole Hause liebt ihren Job auch für das Zwischenmenschliche. „Die Kantine ist wie die Schnittstelle im Werk – hier kommen alle hin. Es ist interessant, dabei die Entwicklung von Menschen mitzuerleben, die hier zum Beispiel als Azubi beginnen.“

Wir helfen dabei, neue Werkstoffe und Produkte zu entwickeln. Wie z. B. Biopolymere, die aus Rübenzucker hergestellt werden.

Dr. Gerd Unkelbach

Nachhaltige Rohstoffe sind die Zukunft – so lautet die Devise des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP. „Das CBP ist das Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und der Industrie. Wir helfen mit unseren Pilotanlagen neue Werkstoffe und Produkte zu entwickeln und auf dem Markt zu bringen, auch Mittelständlern aus der Region,“, erzählt Dr. Unkelbach. „Ein Beispiel hierfür sind neue Biopolymere, die aus dem Zucker der Zuckerrüben hergestellt werden. Mit einem hohen Anteil an Kreide gemischt und verarbeitet fühlt sich an wie Porzellan – ist aber biobasiert und biologisch abbaubar.“

Dr. Gerd Unkelbach, 42, begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Umwelt-Engineering des Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal und ist seit 2012 der Leiter des Fraunhofer CBP in Leuna. Seit 2019 koordiniert er zusätzlich das Geschäftsfeld »Nachhaltige Chemie« am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB zu dem das CBP gehört.

Ohne Zucker geht es nicht. Der Rübenanbau ist für uns hier vor Ort wirtschaftlich sehr wichtig.

Christian Piel

„Wir sollten ihn erhalten und uns nicht in Import-Abhängigkeit bringen. Das kann nur mit mehr Akzeptanz für uns Landwirte – politisch und gesellschaftlich – gelingen. Und nur mit den gleichen Regeln in der gesamten EU. Umweltschutz ist wichtig, gerne setzen wir freiwillig Maßnahmen wie Blühstreifen um. Dennoch ist Einheitlichkeit dieser und weiterer Maßnahmen zukünftig von Bedeutung. Das ist heute nicht der Fall. Die Politik muss sich also entscheiden, was sie will: zwei Leute, die blühende Wiesen pflegen, oder ein Land, dass die Leute (oder: auch noch die nächsten Generationen) ernährt“, fordert Christian Piel.

Christian Piel übernahm bereits 1996 den Hof von seinen Eltern – mit Zuckerrüben. Landwirtschaft bedeutet für ihn Spaß/ Leidenschaft – und den hat er wohl auch seiner Familie vererbt. Auch Piels Tochter studiert derzeit Landwirtschaft. Ob sie den Hof künftig übernehmen kann, wird sich zeigen. Damit sich Landwirtschaft auch zukünftig lohnt, muss sich nämlich einiges verändern.

Ob zart schmelzende Schokolade oder bunte Pralinen – für die französische Pâtisserie ist Zucker ein wichtiges Element.

Tim Tegtmeier

„Unsere Inspiration hier bei Pure Pastry ist die französische Pâtisserie“, sagt Tim Tegtmeier. Ob zart schmelzende Schokolade, bunte Pralinen oder süßes Dessert – in der Pâtisserie ist der Zucker ein elementares Element. „Darauf verzichten kann man in der Pâtisserie wirklich nicht. Das Ziel ist es aber, die Produkte nicht zu süß werden zu lassen – schließlich soll man auch zwei Stück davon essen können“.

Gegründet wurde Pure Pastry 2015, als Tim Tegtmeier mit seinen Kreationen in die Kaffeerösterei seiner Mutter Ursula Wiedenlübbert einstieg. Zuvor war der Pâtissier des Jahres 2015 unter anderem für die Sterneköche Christian Bau und Joachim Wissler tätig. Sein dort erworbenes Wissen gibt Tegtmeier nun mit großem Erfolg an seine fünf Azubis weiter, wobei er besonderen Wert auf eine moderne Ausbildung mit neuen Techniken und Geschmäckern legt.

Unser Fokus ist der digitale Pflanzenschutz. Denn je besser wir den Zustand der Zuckerrüben verstehen, desto besser können wir sie schützen.

Sebastian Streit & Dirk Koops

„In unserem digitalen Experimentierfeld FarmerSpace zeigen wir, wie in Zukunft der Alltag in der Landwirtschaft aussehen könnte. Unser Fokus ist dabei der digitale Pflanzenschutz“, erzählt Streit. „Wir testen zum Beispiel kameragestützte Messroutinen und Hackroboter oder evaluieren Feldsensorik. Denn je besser wir den Zustand der Zuckerrübe verstehen, um so zielgerichteter können die Pflanzen vor Krankheiten und vor Konkurrenz durch Unkräuter geschützt werden. Möglichkeiten zur Reduktion der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel oder alternative Verfahren werden für die Praxis entwickelt“, ergänzt Koops.

Sebastian Streit ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am IfZ. Sein Schwerpunkt ist die Phytomedizin. Dirk Koops ist wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter und arbeitet seit 2020 am IfZ. Beide forschen im BMEL-geförderten Projekt FarmerSpace.

Mehr zum Thema Pflanzenschutz im Zuckerrübenanbau gibt es hier.

Mit weißem Raffinadenzucker kommen die Farben gut zur Geltung.

Dennis Allerheiligen

„Gute Bonbons – oder Bonschen, wie wir in Bremen sagen – sprechen beim Verzehr immer viele Sinne auf einmal an. Nicht nur der Geschmack muss stimmen, sondern auch der Geruch, das Geräusch beim Zerkauen und das Gefühl, wenn man ein Bonbon aus der Verpackung nimmt. Denn gute Bonbons sind ein echtes Erlebnis“, erzählt uns Dennis Allerheiligen. In der Bremer Bonbon Manufaktur werden daher alle Bonbons selbst von Hand hergestellt. Zucker ist dabei die Hauptzutat: 45-50kg verarbeiten sie am Tag. „Bonbons bestehen zu 98% aus Zucker. Zur Herstellung unserer Bonschen nutzen wir weißen Raffinadenzucker, denn der löst sich am besten und bringt die bunten Farben der Bonbons am besten zur Geltung.“

Dennis Allerheiligen, 35, ist gelernter Konditor und arbeitet bei der Bremer Bonbon Manufaktur. Gegründet wurde sie 2009 von Chefin Sabine Marquardt, die das Handwerk in Skandinavien für sich entdeckt und anschließend erlernt hat. In eigens angebotenen Workshops können Teilnehmende regelmäßig selbst zu Zuckerbäckern werden und eigene Bonbons herstellen.