Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) / Verein der Zuckerindustrie e.V. (VdZ)

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Positionen WVZ/VdZ: Agrarpolitik Drucken E-Mail

Agrar- und Handelspolitik: Fair Play für unsere Zuckerrübenanbauer

Die deutsche Zuckerwirtschaft ist exzellent aufgestellt – eigentlich. Doch sie agiert auf einem Markt voller Wettbewerbsverzerrungen, und alle sind das Ergebnis politischer Entscheidungen.

Diese Entscheidungen muss die Politik wieder rückgängig machen, sonst ist die deutsche Zuckerwirtschaft in großer Gefahr. In der Folge müssten die falschen Werke zugemacht werden. Nämlich die, die effizient und dabei nachhaltig arbeiten. Das wäre schlecht für die ländlichen Räume hier in Deutschland, das wäre schlecht für den Klimaschutz weltweit. Das wäre schlecht für die deutsche Zuckerwirtschaft. Deshalb brauchen wir Fair Play für unsere Zuckerrübenbauern:

 

1. Die Zuckerrübe muss aus dem Katalog der gekoppelten Zahlungen gestrichen werden.

2. Die EU-Kommission muss deutlich schärfer gegen verzerrende Subventionen vorgehen.

3. Die Zuckerrübenbauern brauchen eine Notfallgenehmigung für Neonics.

4. Pflanzenschutz muss leistbar bleiben; EU-weit müssen die gleichen Regeln gelten.

5. Arbeit und Wertschöpfung im ländlichen Raum

1. Die Zuckerrübe muss aus dem Katalog der gekoppelten Zahlungen gestrichen werden.

Auch innerhalb des EU-Binnenmarktes gibt es Wettbewerbsverzerrungen. Der Grund dafür sind die gekoppelten Zahlungen.

Diese Zahlungen dürfen überall dort gewährt werden, wo sich Agrarsektoren, denen aus wirtschaftlichen, sozialen oder Umweltgründen eine ganz besondere Bedeutung zukommt, in Schwierigkeiten befinden. Seit 2015 können Mitgliedsstaaten aus EU-Mitteln gekoppelte Zahlungen auch für den Zuckerrübenanbau bewilligen.

 

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Preisvorteil: Mehr als 30 %

Stand heute bezahlen elf EU-Mitgliedsstaaten ihren Landwirten gekoppelte Prämien für den Anbau von Zuckerrüben. Rund 30 % der Anbaufläche in der EU werden so unterstützt – und das mit beträchtlichen Preisvorteilen. Denn die Höhe dieser Zahlungen liegt bei bis zu 630,- € je Hektar, das bedeutet bis zu 90,- € pro Tonne Zucker. Gemessen am jüngsten Preisreporting der KOM von 307,- €/Tonne hat der Zucker aus diesen Ländern einen Preisvorteil von bis zu 30 Prozent. Wie soll deutscher Zucker dagegen konkurrieren?

Voraussetzungen für Prämien sind nicht gegeben

Die Universität Wageningen hat in einer Studie  gezeigt, dass gekoppelte Zahlungen gewährt werden, obwohl die Voraussetzungen dafür gar nicht gegeben sind. Hinzu kommt, dass die Zahlungen ohne regionale Differenzierung bewilligt werden. All das widerspricht den Zielen der Reform der Zuckermarktordnung.

Gekoppelte Zahlungen stoppen

Europa muss aus diesen Befunden die notwendigen Schlüsse ziehen und die Zuckerrübe aus dem Katalog der gekoppelten Zahlungen streichen.

 

2. Die EU-Kommission muss deutlich schärfer gegen verzerrende Subventionen vorgehen.

Der EU-Binnenmarkt ist bereits heute einer der liberalsten Zuckermärkte der Welt. Fast 100 Länder der Welt können ihren Zucker zollfrei oder zum günstigeren Tarif in die EU exportieren. Seit 2013 sind die EU-Importkontingente für Drittländer um 73 % angestiegen. Allein dieser Anstieg entspricht 17 % der deutschen Zuckererzeugung oder der Kapazität von drei durchschnittlichen deutschen Zuckerfabriken.

Preisdumping durch subventionierten Zucker
Allerdings subventionieren die meisten und vor allem die größten Zuckererzeugerländer der Welt direkt oder indirekt die Erzeugung bzw. die Ausfuhr von Zucker auf den Weltmarkt. Die Folge: Der Weltmarktpreis für Zucker ist dramatisch gesunken.

Dies betrifft in besonderem Maße die fünf größten Zuckererzeuger bzw. Zuckerexporteure auf dem Weltmarkt – das sind Brasilien, Indien, Thailand, Australien und Mexiko. Zu den indirekten Subventionen gehören unter anderem hohe Mindestgarantiepreise für den heimischen Zucker, die Bereitstellung vergünstigter Kredite sowie die Quersubventionierung der Zuckerexporte.

2019-01 wvz infografik website zuckerverband v02 kapitel 2 weltanteil

Hiesige Zuckererzeuger müssen ohne Subventionen auskommen. Sie geraten auf dem EU Binnenmarkt unter erheblichen Preisdruck und können kaum gegen die subventionierten Importe aus Drittländern konkurrieren. Zudem sind rentable Zuckerexporte aus der EU unter diesen Bedingungen für sie nicht möglich. (Finden Sie hier eine Übersicht  zur aktuellen Preisentwicklung des Zuckersektors.)

Den Binnenmarkt vor subventioniertem Importzucker schützen.

Deutscher Zucker, der ohne Subventionen auskommen muss, kann gegen den subventionierten Zucker aus Drittländern preislich nicht konkurrieren. Die EU-Kommission muss daher sicherstellen, dass auf dem europäischen Binnenmarkt, aber auch auf dem Weltmarkt, ein fairer Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle Akteure möglich ist. Sie muss den heimischen Zucker vor dem hochsubventionierten Zucker schützen und zur Bedingung machen, dass die wettbewerbsverzerrende Subventionspolitik abgestellt wird.

3. Die Zuckerrübenbauern brauchen eine Notfallgenehmigung für Neonics.

WVZ Infografik Notfallzulassung

Für die Anbausaison 2019 wurde in der Europäischen Union der Einsatz von drei Neonicotinoiden (Neonics) im Zuckerrübenanbau verboten. Damit sollten insbesondere Bienen vor Schaden geschützt werden. Aber Bienen fliegen die Zuckerrübe und ihre Folgefrüchte (in der Regel Getreide) gar nicht an, da diese keine Blüten bilden.

Daher ist es unverständlich, dass die deutschen Behörden Anträge auf eine sogenannte Notfallzulassung für den Einsatz der Neonics im Anbaujahr 2019 abgelehnt haben. Anstelle der Neonics müssen nun Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die zwar teurer, aber dennoch weniger wirksam sind. Dies kann zu Ertragseinbußen führen. Beide Effekte zusammen reduzieren den Deckungsbeitrag je Hektar mit ca. 48 Prozent fast um die Hälfte. Was das konkret bedeutet wird am Beispiel der Erträge im Jahr 2018 deutlich: Von den tatsächlich erzielten 670 Euro Deckungsbeitrag je Hektar wären gerade noch 350 Euro übriggeblieben.

Hinzu kommt, dass die Neonics deutlich gezielter und damit auch umweltschonender eingesetzt werden. Sie werden als Beizung der Saatguthülle zugesetzt und kommen somit ausschließlich direkt zum Einsatz. Die alternativen Wirkstoffe müssen dagegen als Flächenspritzung ausgebracht werden.

Daher haben bisher dreizehn EU-Mitgliedstaaten die Verwendung von Neonics im Rahmen einer Notfallzulassung erlaubt. Während sich die Kosten für den Pflanzenschutz in diesen Ländern nicht ändern, drohen den Anbauern in Deutschland Deckungsbeitragsverluste von bis zu 48 Prozent. Für deutsche Rübenanbauer ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil.

Doch die Neonics stehen lediglich am Beginn einer ganzen Reihe von Pflanzenschutzmitteln, über deren weitere Zulassung gegenwärtig verhandelt wird. mehr

 

4. Pflanzenschutz muss leistbar bleiben; EU-weit müssen die gleichen Regeln gelten.

Die Neonics stehen lediglich am Beginn einer ganzen Reihe von Pflanzenschutzmitteln, über deren weitere Zulassung gegenwärtig verhandelt wird. Ihre Gemeinsamkeit: Gegenwärtig stehen keine Ersatzmittel zur Verfügung, mit denen der Pflanzenschutz in vergleichbarer Effektivität und Wirtschaftlichkeit realisiert werden kann.

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Für die Landwirte hätte das zur Folge, dass der Deckungsbeitrag (DB) je Hektar für den Anbau von Zuckerrüben weiter zusammenschmilzt. Sie würden sich schließlich aus wirtschaftlichen Gründen für andere Kulturen entscheiden. Die Vielfalt im Ackerbau würde erheblich sinken.

Das würde zur Schließung der regionalen Zuckerfabrik führen, die auf Zulieferung von Zuckerrüben aus der Region angewiesen ist. Ein Schritt, der die wirtschaftliche Stabilität in der Region ins Wanken bringt. Denn jeder Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik sichert neun weitere in nachgelagerten Bereichen. Zudem verlieren die Landwirte in der Region einen wesentlichen Beitrag zum Betriebseinkommen, ihre Möglichkeiten der Risikostreuung im Ackerbau sinken.

Lachende Dritte wären die Landwirte aus Ländern, die über Notfallzulassungen weiter mit den bewährten Mitteln arbeiten können. Heimische Rübenanbauer müssten auf andere, ertragsärmere Feldfrüchte ausweichen. Die für die Böden so wertvolle Zuckerrübe würde von deutschen Äckern verschwinden. Den Zuckerfabriken ginge der notwendige Rohstoff verloren, sie würden dann ihre Tore für immer schließen.

5. Arbeit und Wertschöpfung im ländlichen Raum

Zucker ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in ländlichen Räumen. Weil die Zuckererzeugung Arbeit, Wertschöpfung und damit Perspektiven schafft.

Arbeitsplätze und Einkommen:

In der Landwirtschaft

Eine durchschnittliche Zuckerfabrik wird von rund 1.400 Zuckerrübenbauern beliefert. Für sie und ihre Familien bedeutet der Zuckerrübenanbau ein sicheres Einkommen sowie erhebliche Vorteile bei der Beschaffenheit ihrer Böden. Viele Zuckerfabriken gehören sogar zu großem Anteil den Landwirten. Über Aktien oder Genossenschaftsanteile sind sie am wirtschaftlichen Ergebnis ihrer Fabrik beteiligt.

In der Verarbeitung

In der Zuckerfabrik selbst arbeiten rund 250 Beschäftigte. Aber jeder Job in der Zuckerfabrik schafft neun weitere in nachgelagerten Bereichen – zum Beispiel Spediteure, Handwerker und Zulieferer.

Zusammen mit ihren Familien sind das rund 9.000 Menschen – eine ganze Kleinstadt –, die von einer Zuckerfabrik leben.

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Wertschöpfung bleibt in der Region:

Eine durchschnittliche Zuckerfabrik in Deutschland erzeugt rund 220.000 Tonnen Zucker. Damit erzielt sie in normalen Jahren einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro.

Der Ertrag, den sie am Ende erwirtschaftet, kommt zum allergrößten Teil der Anbauregion zugute. Rund 80 Prozent der Wertschöpfung verbleiben in der jeweiligen Region.

Für die ist Zucker ein ganz zentrales Stück Wirtschaftskraft. Die Steuereinnahmen aus der Zuckerproduktion entscheiden darüber mit, ob in der Kommune zum Beispiel eine Schule renoviert oder eine Straße gebaut werden kann.

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