Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) / Verein der Zuckerindustrie e.V. (VdZ)

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Programmbeschwerde zur Sendung „Leschs Kosmos – Vorsicht Zucker: Die verborgene Gefahr“ vom 7. Februar 2017 Drucken E-Mail

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Nachgang zur ZDF-Sendung Leschs Kosmos „Vorsicht Zucker: Die verborgene Gefahr“ vom 7. Februar 2017 hat sich die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) bereits schriftlich an die Chefredaktion von „Leschs Kosmos“ wegen der Einseitigkeit und mangelnden Objektivität der Sendung gewandt. Die Antwort auf das Schreiben war leider ausgesprochen unbefriedigend.

Daher legen wir hiermit im Auftrag der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) und damit der zuckerproduzierenden Unternehmen, der fast 30.000 Rübenanbauer in Deutschland sowie Unternehmen des Handels, Programmbeschwerde wegen Verstoßes gegen die Richtlinien für Sendungen und Telemedienangebote der gemeinnützigen Anstalt des öffentlichen Rechts „ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN“ durch die ZDF-Sendung Leschs Kosmos „Vorsicht Zucker: Die verborgene Gefahr“ vom 7. Februar 2017 ein.

Durch fehlende Sachlichkeit (vgl. Ziffer I Abs. 3, 4 der Richtlinien für Sendungen und Telemedi­enangebote), tendenziöse Berichterstattung (vgl. Ziffer II Abs. 2) und mittels Suggestivmetho­den (Ziffer III Abs. 4) wird Zucker ausschließlich in einem einseitig-negativen Kontext präsentiert und die persönliche Entscheidung des Zuschauers beeinflusst. Insgesamt setzt sich die Sendung in ihrem Gesamtverlauf sehr einseitig und damit tendenziös und unsachlich mit Zucker auseinander. Der Zuschauer wird durch diesen Beitrag gezielt manipuliert. Der Beitrag verstößt damit gegen zentrale Grundsätze der ZDF-Richtlinien für Sendungen und Telemedienangebote.

Nur ein, aber dafür zugleich sehr bezeichnendes Beispiel ist die Eingangsszene der Sendung. Sie zeigt Personen in schwarzen Anzügen, die sich in einer dunklen Tiefgarage treffen und scheinbar ein Drogengeschäft abschließen. Durch die Visualisierung wird dem Zuschauer vermittelt, bei dem vermeintlichen Drogenpaket handle es sich um ein Paket Zucker. Dementsprechend wird in dieser Szene der Verkauf von Zucker als ein illegales Geschäft inszeniert. Dies wird auch vom Sprecher nicht relativiert. Der Sprecher kommentiert dies mit: „Verboten ist diese Substanz nicht und doch ist es eine Droge. Eine Droge, die wir täglich konsumieren.“

Zucker, ein Lebensmittel, wird hier auf eine Stufe mit Drogen gestellt. Rübenanbauer werden dadurch als Drogenanbauer deklariert und Zuckerfabrikanten als Drogenproduzenten. Und der Verbraucher wird als Drogenabhängiger dargestellt.

Wir halten die Art der Berichterstattung insbesondere für inakzeptabel, weil „Leschs Kosmos“ der Rubrik „Wissenschaftsmagazin“ zugeordnet wird, also einem Sendeformat, für das ein be­sonderer Anspruch an Objektivität, Seriosität und Glaubwürdigkeit gelten sollte.

Wir fordern Sie daher auf, sich unserer Beschwerde kritisch anzunehmen und eine umfassende Prüfung der genannten Beanstandung vorzunehmen. Aus Gründen der Transparenz werden sowohl diese Beschwerde als auch der weitere Verlauf der Stellungnahmen auf der Internetseite des Verbandes veröffentlicht.

Am Beispiel der oben genannten „Mafiaszene“ begründen wir im Folgenden den Verstoß gegen die ZDF-Richtlinien im Einzelnen.

1. Fehlen von Sachlichkeit und Objektivität in der Themendarstellung

„Die Angebote sollen dem einzelnen die eigene Urteilsbildung ermöglichen. Sie sollen das Ge­wissen schärfen, eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern, Hintergründe und Zusammenhänge erhellen und Orientierungshilfen zur Einordnung und Gewichtung der In­formationen geben.“ (Ziffer I Abs. 3)

„Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit be­stimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.“
(Ziffer I Abs. 4)

Die in der Sendung gezeigte Inszenierung eines illegalen Drogendeals, bei dem in Wahrheit Zucker anstelle von Drogen gehandelt wird, verunglimpft Zucker pauschal als eine giftige, ge­fährliche und illegale Substanz. Die Visualisierung wird zudem von der Aussage des Sprechers, Zucker sei eine Droge, zusätzlich gestützt. Diese Behauptung wird dem Zuschauer als eine feststehende Tatsache vermittelt. Jedoch handelt es sich bei dieser Aussage um eine reine Be­hauptung, für die es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt – im Gegenteil. Der Beitrag lässt daher eine freie und individuelle Meinungsbildung nicht zu. Zweifel an dieser nicht belegten Äußerung werden zudem in keiner Weise geäußert. Der Beitrag ist daher einseitig, unsachlich und verunglimpft das Lebensmittel Zucker.

Begründet wird die Annahme, Zucker sei eine Droge damit, dass Zucker das Belohnungssys­tem des Gehirns durch die Ausschüttung von Dopamin aktiviert. Dieses Aktivitätsmuster sei auch bei süchtig machenden Drogen erkennbar. Aber, dass genau dieses Aktivitätsmuster auch beim Erreichen sportlicher Erfolge oder sonstigen positiven Erlebnissen im Gehirn messbar ist, wird im Beitrag verschwiegen. Diese Verkürzung gibt den Diskurs und Stand der Wissenschaft nicht wieder.


2. Tendenziöse einseitige Berichterstattung

„Die Angebote sollen umfassend informieren, anregend unterhalten und zur Bildung beitragen. Sie sollen zu kritischem Denken ermutigen, zu Gespräch und Eigenständigkeit anregen.“
(Ziffer II Abs. 2)

Die oben beschriebene Einstiegsszene dient in keiner Weise dazu, den Zuschauer umfassend zu informieren oder zum kritischen oder gar eigenständigen Denken anzuregen. Denn darin wird nur eine Meinung präsentiert, mit der sich auch im weiteren Verlauf der Sendung nicht kri­tisch auseinander gesetzt wird. Es handelt sich daher um tendenziöse einseitige Berichterstat­tung, die eher zur Verdummung als zur Bildung des Zuschauers beiträgt.


3. Verwendung von Suggestivmethoden, welche die persönliche Entscheidung beeinflussen sollen

„Die Informationssendungen und -angebote müssen durch Darstellung der wesentlichen Materi­alien der eigenen Meinungsbildung dienen. Sie dürfen dabei nicht durch Weglassen wichtiger Tatsachen, durch Verfälschung oder Suggestivmethoden die persönliche Entscheidung zu be­stimmen versuchen.“ (Ziffer III Abs. 4)

Der Beitrag betreibt eine unseriöse Effekthascherei. Mit Hilfe der o. g. Visualisierung wird dem Zuschauer eine Meinung vorgegeben und suggeriert; Zucker sei eine Droge und diejenigen, die Zucker produzieren, verkaufen oder konsumieren sind Kriminelle. Die Aussagen des Sprechers wirken als feststehende Tatsachen. Andere Positionen kommen an dieser Stelle nicht zu Gehör.

Die in der Sendung gezeigten Zuckerkonsumenten werden zudem als unwissende und drogen­abhängige Verbraucher dargestellt. Dem Zuschauer wird suggeriert, dass die gezeigten Zuckerkonsumenten unter den gleichen Auswirkungen wie Drogensüchtige leiden. Mit der pauschalen Verurteilung von Zucker und der unsachlichen Inszenierung wird bewusst mit den Ängsten der Verbraucher gespielt und somit die persönliche Entscheidung beeinflusst.

Die Darstellung von scheinbar zuckerabhängigen Verbrauchern führt umgekehrt zu einer Baga­tellisierung der Diskussion um Drogensucht in Deutschland, einem enormen gesellschaftlichen Problem. Zudem charakterisiert der Beitrag den Verbraucher in erster Linie als unmündige und willenlose Konsumenten. Entspricht dies dem Verbraucherbild des ZDF?

Bei Minute 20:35 wird der Konsument als „Stopfgans“ auf einem Fließband dargestellt, die – von wem eigentlich? – per Zwang abgefüllt werden. Erneut muss man fragen: Entspricht das dem Verbraucherbild des ZDF? Entspricht das dem beim ZDF vorherrschenden Bild der Lebensmittelwirtschaft?

Die Folgen dieser eindimensionalen Darstellung und der unsachlichen Behauptungen sind ver­heerend. Das Naturprodukt Zucker wird hier verunglimpft. Denn dem Zuschauer wird der Ein­druck vermittelt, Zucker sei eine per se giftige Substanz und der Konsum führe zur Abhängigkeit. Dabei handelt es sich lediglich um eine Behauptung – nicht um eine Tatsache. Ob gewollt oder nicht, dies verunglimpft einen ganzen Wirtschaftszweig und damit auch 30.000 Rübenanbauer in Deutschland, über 5.000 in der Zuckerindustrie Beschäftigte und nicht zuletzt die Zuschauer dieses sogenannten „Wissenschaftsmagazins“ des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF.