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Ernährungssicherheit setzt eine nachhaltige Agrarwirtschaft voraus Drucken E-Mail

Rüben- und Zuckererzeugung als Beispiel für nachhaltige Lebensmittelherstellung

Berlin, 9. November 2011 – „Für die europäische Zuckerwirtschaft ist Nachhaltigkeit seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit.“ Dies betonte Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vor­sit­zender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), beim „Forum Zucker 2011“ ge­stern in Berlin. Er wies in seiner Begrüßung darauf hin, wie wichtig die politischen Rah­menbedingungen für den Erhalt der erreichten Standards sind. Die europäische Agrarpo­litik habe darüber hinaus auch eine große Bedeutung für die Versorgungssicherheit in der EU und die Frage, welchen Beitrag Europa zur Deckung der weltweiten Nachfrage nach Lebensmitteln leisten kann.

In seinem Impulsvortrag wies Professor Dr. Hartwig de Haen, Göttingen, darauf hin, dass das Wachstum der Weltbevölkerung und die Zunahme von Kaufkraft eine weltweit weiter steigende Nachfrage nach Lebensmitteln zur Folge haben werden. Auf diese müsse die Landwirt­schaft weltweit unter Einhaltung von Erfordernissen der Nachhaltigkeit mit einer entspre­chenden Angebotssteigerung reagieren. Andererseits sind vor allem in Industrie- und Schwellenländern fast 1,5 Milliarden Menschen überernährt. Aus dem zu erwarten­den Nachfragewachstum sowie dem Nebeneinander von Mangel und Überfluss resultie­ren, so Professor de Haen, vielfältige Anforderungen an die Land- und Ernährungswirt­schaft.

Warum die europäische Rüben- und Zuckererzeugung als Beispiel für eine nachhaltige Lebensmittelherstellung gelten kann, erläuterte Dr. Wolfgang Heer, Vorstandssprecher der Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt. So leistet der Anbau von Zuckerrüben u. a. einen wertvollen Beitrag zur Auflockerung der Fruchtfolgen im Ackerbau. In den Zucker­fabriken sorgen beispielsweise effiziente Wasserkreisläufe und Kraft-Wärme-Kopplungs­anlagen für Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Auch betonte er die gesell­schaft­li­che Verantwortung der Zuckerwirtschaft als Arbeitgeber im ländlichen Raum.  Auf diese Weise werde die Rüben- und Zuckererzeugung, so Dr. Heer, ihrer ökologischen und ge­sellschaftlichen Verantwortung in vollem Umfang gerecht.

In der anschließenden Podiumsdiskussion beleuchtete der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages, Friedrich Ostendorff, Bündnis 90/Die Grünen, welche Rahmen­be­dingungen die Politik für eine verbesserte Welternährung setzen muss. „Angesichts knapp 1 Mil­li­arde hungernder Menschen stehen gerade die reichen Industrienationen in der Ver­ant­wortung“, so Ostendorff. „Wir müssen Demokratie und Good Governance unterstützen und dürfen nicht mit unseren Exporten die Märkte der ärmsten Länder zerstören“. Dr. Christel Happach-Kasan, Sprecherin für Ernährung und Landwirtschaft der FDP-Bun­destagsfraktion betonte zudem, wie wichtig es sei, eine unternehmerische und nachhal­tige Landwirtschaft in Europa zu fördern. Von Innovationskraft, technolo­gi­schem und züchterischem Know-How werden auch die weniger entwickelten Länder pro­fitieren.

Matthias Meissner, WWF Deutschland, erläuterte als Vertreter einer Nicht-Regierungsor­ganisation, welchen Herausforderungen sich die Land- und Ernährungswirtschaft in den nächsten Jahrzehnten stellen muss. Nach Auffassung des WWF muss ein flächen­de­ckender Ressourcen- und Artenschutz das agrarpolitische Ziel sein. Dazu sollten zum Beispiel auch bei der Erschließung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen einheitliche und global gültige Nachhaltigkeitsstandards eingeführt werden.