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Grundsätze nachhaltiger Wirtschaftsweise bei Rübenanbau und Zuckergewinnung
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde einer breiten Öffentlichkeit 1987 durch den Bericht über die gemeinsame Zukunft „Our Common Future“ der so genannten Brundtland-Kommission bekannt gemacht. Diese Kommission der Vereinten Nationen befasste sich grundlegend mit den Fragen einer umweltverträglichen Entwicklung. Die Notwendigkeit, besondere Anstrengungen zum Erhalt der Erde als Lebensgrundlage der Menschen zu unternehmen, ist seitdem in zunehmendem Maße zum Thema gesellschaftlicher Erörterungen geworden.
Bereits im selben Jahr hat der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft umfassende „Grundsätze für die ordnungsgemäße Landwirtschaft“ verabschiedet. Für Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung und Pflanzenschutz im Pflanzenbau sowie für den Einsatz von Nebenprodukten in der Tierhaltung wurden Grundsätze und Verhaltensregeln aufgestellt, die bis heute Bestand haben und die Grundlage der ständig weiterentwickelten „guten fachlichen Praxis“ in der Landwirtschaft sind.
Von der Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 in Rio de Janeiro gingen weitere und entscheidende Impulse für die Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung aus. Die über 170 vertretenen Staaten verabschiedeten das Aktionsprogramm Agenda 21, in dem die bis dahin in erster Linie diskutierten ökonomischen und ökologischen Ziele um eine dritte Dimension der sozialen Aspekte erweitert wurden. Eine „NachhaltigeEntwicklung“ geht damit über die Inhalte der reinen Umweltpolitik hinaus, da sie einen weitgehenden Gleichklang von Ökonomie und Ökologie sowie Sozialaspekten umfasst. Auf europäischer Ebene wurde daraufhin eine Vielzahl von Initiativen ergriffen, um die Verbreitung des Nachhaltigkeitsbegriffs zu fördern.
Zur Umsetzung des erweiterten Nachhaltigkeitsbegriffs hat die Bundesregierung die politische Zielstellung entsprechend angepasst und durch gesetzgeberische Maßnahmen begleitet. Der Agrarbericht 1999 formulierte diese Initiative wie folgt: „Die Bundesregierung wird die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen und umweltverträglichen Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft unterstützen. Sie setzt dabei auf unternehmerisch denkende und handelnde Menschen, die sich ihrer Verantwortung für den Verbraucherschutz, für den Schutz der Tiere und für die Umwelt bewusst sind. Leitbild ist der nachhaltig wirtschaftende Betrieb.“
Aus dem Selbstverständnis und der Notwendigkeit heraus, verantwortungsbewusst mit den natürlichen Ressourcen und mit den Bedürfnissen der Verbraucher umzugehen, haben die deutschen Rübenanbauer schon sehr früh begonnnen, die Grundsätze des integrierten Pflanzenbaus – d.h. die Einbindung standort- und umweltschonender Systeme bei der pflanzlichen Erzeugung – in die Praxis umzusetzen. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Rübenanbau und die Zuckergewinnung aus struktureller, pflanzenphysiologischer sowie produktionstechnischer Sicht Besonderheiten aufweisen, die einer an der Nachhaltigkeit ausgerichteten Erzeugung in idealer Weise Rechnung tragen.
Aus physiologischer Sicht besitzen Zuckerrüben eine ausgeprägt hohe Energie-, Dünger- und Wassernutzungseffizienz sowie eine hohe Trockenmasseproduktion verbunden mit einer nicht zu vernachlässigenden Kohlendioxid-Bindung und Sauerstoff-Freisetzung. Modellhaft verkörpern Rübenanbau und Zuckerindustrie durch die Nutzung sämtlicher Produkte, die im Rahmen der Zuckergewinnung anfallen, sowie durch die Integration entsprechender Prozessmaßnahmen das Prinzip eines in sich geschlossenen Kreislaufwirtschaftssystems.
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